In den Fußstapfen von Käpt’n Blaubär

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Puppen in die Wiege gelegt zu bekommen, ist nichts Ungewöhnliches – die Kunst des Puppenspiels schon. Als Axel Bahro 2005 Vater wurde, befand er sich mitten in einer „Käpt‘n Blaubär“ Aufzeichnungs-Staffel in Köln und hoffte, rechtzeitig zur Geburt seines Sohnes wieder daheim in München zu sein. Der professionelle Puppenspieler gehörte von Anfang an zum Ensemble des blauen Bären, der mit seinem Seemannsgarn alle Altersklassen begeistert. Meist spielte Bahro die plüschigen Hände der lebensgroßen Figur, die von insgesamt drei Figurenspielern geführt wird.

Immer dabei
Kein Wunder, dass Sohn Lorenz mit vielen Puppen aufwuchs. Seine Eltern gründeten die „Puppets in Minutes“ und waren viele Jahre im traditionellen Münchner Marionettentheater „Kleines Spiel“ aktiv.  Lorenz war von Anfang an dabei. Mutter Dorothea Seitz hatte das schlafende Baby bei Vorstellungen hinter der Bühne ins Tragetuch gewickelt, da war Lorenz ein halbes Jahr alt. Später verbrachte er viel Zeit in der Werkstatt, zwischen Schleifmaschine und Farbpinseln. Er lernte, wie man Klappmaulfiguren aus Schaumstoff schnitzt und Marionetten aufschnürt. Die familieninterne Begeisterung für die Bühne führte schließlich zur ersten
Kindertheaterproduktion der „Puppets in Minutes“. Bei der Suche nach einer guten Geschichte kramte die Familie in bekannten Motiven und landete so beim ältesten Roadmovie der Welt, der Odyssee. Mit viel Witz (auch für Erwachsene), Musik und einer aktuellen Story wurde daraus das Musical „Die Irrfahrten des Odyss-Eis und seiner Muffin-Gefährten“.

Vom Sprecher zum Spieler
Bei den Sprachaufnahmen für das Stück kam er 2015 mit ins Aufnahmestudio und lieh dem Geburtstagskind „Max“ im Odyss-Eis seine Stimme. Er fing an, Kindersendungen bei „Radio Feierwerk“ zu moderieren und synchronisierte Filme für den Prix Jeunesse. Bis er schließlich selbst mit auf der Bühne stand. Seit 2017 spielt Lorenz gemeinsam mit seinem Vater alle Rollen in den Abenteuern des „Odyss-Eis“. Für Axel Bahro ist es eine schöne Erfahrung: „Natürlich ist man als Vater besonders stolz, wenn das Kind den eigenen Enthusiasmus für eine Sache teilt. Dabei hat Lorenz mich sehr verblüfft: Er spielt unglaublich präzise und setzt alle Tipps sofort um. Dazu kommt eine unmittelbare Begeisterung am Spiel. Das ist etwas, was vielen Erwachsen verloren ging, obwohl sie es als Kinder noch besaßen: Sich fallen zu lassen und ganz in einer anderen Figur, einem anderen Charakter aufzugehen. Stellvertretend mit der Puppe auf der Hand funktioniert das auf eine schnelle, direkte Art, die viel Spaß macht und sehr erfüllend ist.“

Straßenkunst von Dangast bis Dugi otok  
Zunächst als spontane Idee für einen Sommerurlaub in Kroatien entstand  2017 das Konzept „Marionettenkunst für die Straße“.  Ob am Strand oder in der Innenstadt, überall kamen die Figuren bei Klein und Groß an. Im Corona-Sommer 2020 blickten die Puppets in Minutes daher auf ein umfangreiches Repertoire, das Covid-19 gerecht an der frischen Luft gezeigt werden kann. Für Dorothea Seitz, die die als Texterin und Regisseurin fungiert, eine Besonderheit: „Dass wir in einem für Künstlerinnen und Künstler extrem schwierigen Jahr so unkompliziert auftreten konnten, war ein großes Geschenk. Und dass wir das gemeinsam als Familie erleben, ist ein ungemein verbindendes Element.“

Kleine Figuren auf ganz großer Bühne 
Einen außergewöhnlichen Abschluss des Sommers erlebte Lorenz am 3. Oktober 2020 in München. Gemeinsam mit seinem Vater und Teamkollegen Thomas Schwendemann gehört er inzwischen zum Marionettenspieler-Ensemble für die Bayerische Staatsoper.  In der Ouvertüre der Oper „Le nozze di Figaro“ spielt der inzwischen 15-Jährige im Vorspiel die kleine Ausführung des „Figaro“, gesungen von Kammersänger Alex Esposito. „Eine große Ehre“, wie Lorenz meint. „Und natürlich auch ein großer Spaß“, fügt er lachend hinzu.