Große Oper – kleine Puppen

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Als die Neuinszenierung von Mozarts Oper „Le nozze di Figaro“  an der Staatsoper München im Oktober 2017 Premiere feierte, gehörte der erste Auftritt auf der Bühne ganz kleinen Darstellerinnen und Darstellern: Figaro, Susanna und Cherubino eröffneten als Marionetten einen furiosen Abend.

Alex Esposito, „Le nozze di Figaro“, Staatsoper München. Foto: Wilfried Hösl

„Die Staatsoper macht sich zunächst klein, wenn sich der Vorhang lüftet: Da ist ein Puppentheater aufgebaut, putzig das Bühnenportal doppelnd. Während Dirigent Constantinos Carydis kühl die Ouvertüre ausmisst, beginnt ein agiler Marionetten-Figaro für sein Hochzeitsbett Maß zu nehmen. Und so wie die Ouvertüre den Farbfächer der musikalischen Motive aufklappt, springen die Marionetten im Schweinsgalopp durch die Handlung.“ (Passauer Neue Presse)

Christof Loy interpretiert Mozarts Oper ganz aktuell: Ein übergriffiger Chef, ein Paar, das sich schon vor der Hochzeit in den Haaren hat, eine Gattin, die sich nach langen Ehejahren nach Liebe und Aufregung sehnt und eine bezaubernde Trans*Person, die spielerisch zwischen den Geschlechtern wechselt. Über allem schwebt die Anmutung, dass die Agierenden in Wahrheit Marionetten ihrer eigenen Gefühle sind und dass ihnen das ganze emotionale Chaos zunehmend über den Kopf wächst.
Spätestens wenn im letzten Akt das Bühnenbild dominiert wird von einer überdimensionalen Tür erschließt sich das Motiv der Größenverschiebung in der Inszenierung: Die Liebe kann uns zu Riesen, aber auch zu Zwergen machen.

Innovative Technik trifft tradionelles Handwerk

Die Marionetten des Figaro /Alex Esposito, seiner Braut Susanna /Olga Kulchynska und die des Pagen Cherubino /Solenn‘ Lavanant-Linke sind konzipiert als Ebenbilder der drei Darsteller. Gestaltet wurden die Figuren von Puppets in Minutes Gründer Axel Bahro. Dabei arbeitete er in einem modernen Mix aus Tradition und Zukunft: Die Köpfe modellierte er digital am Computer, fertiggestellt wurden sie mittels eines 3D-Druckers. Die Körper und die Marionettenmechanik fertigte Axel in der Werkstatt, die Gesichter wurden per Hand coloriert.  Kostüme, Haare und Dreispitz produzierten die Schneiderei, die Perückenmacher und die Hutmacherei der Staatsoper München – exakt nach den Outfits der Opernstars.

Für Axel ist die Verbindung von moderner und althergebrachter Technik eine spannende Verknüpfung aus Elementen seines eigenen beruflichen Werdegangs: „Seit ich 1993 im Kino Spielbergs „Jurassic Park“ gesehen habe, war ich fasziniert von den neuen Möglichkeiten. Seitdem habe ich immer wieder in beiden Welten gearbeitet: Als Puppenspieler des „Käpt’n Blaubär“ oder mit Animatronics in den Kinofilmen „Das Sams“ und „Die Vampirschwestern“, ebenso wie mit visuellen Spezialeffekten für den Kinofilm „Es ist ein Elch entsprungen“, im dem das digitale Ebenbild von Mario Adorf auf einem Elch über den Himmel flog.“

Geführt werden die Figuren auf der Bühne ebenfalls von Axel Bahro, sowie von Thomas Schwendemann. Beide gehören seit vielen Jahren zum Ensemble des Marionettentheaters „Kleines Spiel“, das seit 1947 in München Figurenspiel für Erwachsene zeigt.

Trailer „Le nozze di Figaro“, Staatsoper München 2017:

Fotos auf der Seite der Stuttgarter Zeitung

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